Evangelische Kirchengemeinde Bauschheim

Gottesdienste im April

Sonntag, 11. April, 9.30 Uhr
Gottesdienst; Prädikantin Kögler
Orgel: Herr Mayer

Sonntag, 18. April, 9.30 Uhr
Gottesdienst; Pfarrerin Schneider-Oelkers
Orgel: Herr Mayer

Sonntag, 25. April, 9.30 Uhr
Gottesdienst; Pfarrerin Schneider-Oelkers
Orgel: Frau Weber

 

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Telefon: 06142-72289
Vielen Dank!

 


 

Gottesdienst zum Osterfest (4. und 5. April 2021)

 

Liebe Gemeinde,

 

„Christus ist auferstanden - er ist wahrhaftig auferstanden!“

Auch heute - gerade heute - soll der alte Osterjubel erklingen, den Christ*innen sich gegenseitig zusprechen:
Die Zeiten sind hart und wir brauchen die Zeichen der Hoffnung so nötig.

Auch wenn wir auf Abstand bleiben und eine Maske tragen müssen:
Sprechen wir uns gegenseitig zu, was der Grund unserer Hoffnung ist:
Christus ist auferstanden - er ist wahrhaftig auferstanden!

Ein frohes Osterferst wünscht
Ellen Schneider-Oelkers, Pfarrerin

 

Votum
Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen des dreieinigen Gottes:
im Namen des Vaters, der Quelle unseres Lebens;
im Namen des Sohnes, des Grundes unserer Hoffnung;
und im Namen des Heiligen Geistes, der Kraft Gottes, die uns trägt und bewegt.

Gemeinde spricht: Amen.

 

Chor: Christ ist erstanden (EG 99)

Die Osterkerze wird hereingetragen.

118. Psalm (EG 747)

Alle sprechen:
Ehr’ sei dem Vater und dem Sohn
und dem Heiligen Geist.
Wie es war im Anfang, jetzt und immerdar
und von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen.

 

Sündenbekenntnis
Jesus Christus,

Gekreuzigter undAuferstandener -
du hast den Tod besiegt;
durch dich strahlt das Leben – das neue, das allumfassende, das ewige – in die Welt hinein.

Wie schwer fällt es uns Menschen, dieses Geschenk zu auch nur zu sehen, geschweige denn, es anzunehmen und unser Leben davon prägen zu lassen.
Auf uns selbst setzen wir unsere Hoffnung, nicht auf Dich…
Kein Wunder, dass die Zeit, in der wir gerade leben, so an uns nagt und zerrt.
Kein Wunder, dass die Angst weiter wächst und das Zusammenleben immer schwieriger wird.

Jesus Christus,
Gekreuzigter und Auferstandener -
allein finden wir nicht heraus aus diesem gefährlichen Dickicht, in dem wir uns da immer mehr verfangen.
Wir brauchen Dich und rufen zu Dir:

Alle sprechen:
Herr, erbarme dich!
Christus, erbarme dich!
Herr, erbarm‘ dich über uns!

Gnadenzuspruch
Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.

(Joh 3,16)

Alle sprechen:
Ehre sei Gott in der Höhe
und auf Erden Fried‘,
den Menschen ein Wohlgefallen!

 

 

Gebet

Gütiger Gott,

du bist uns nicht fern geblieben,
du bist uns ganz nah gekommen – in Jesus Christus, deinem Sohn, den du in die Welt gesandt hast, damit wir erkennen können, wer du bist und was du willst.

Dafür danken wir dir und bitten dich:
Gib, dass wir jetzt aufmerksam auf dein gutes Wort hören – und hilf, dass es unseren Verstand erleuchtet und unser Herz froh macht!

Dies bitten wir dich, der du lebst und neues Leben schaffst von Ewigkeit zu Ewigkeit.

 

Gemeinde spricht: Amen.

Schriftlesung: Die Auferstehung Jesu (Mk 16,1-7)


Halleluja - Gelobt sei Gott!

 

Lied: Gelobt sei Gott im höchsten Thron

Apostolisches Glaubensbekenntnis

Dorothea Weber: Stimme, die Stein zerbricht

(EG+18,1-3)

Predigt

Liebe Gemeinde,
„Wenn Leute sagen, nicht nur alte, früher sei doch alles besser gewesen, mag das eine verständliche Klage über ihre eigenen Befinden sein, eine gültige Aussage über die Welt ist es nicht.
Selbst in diesen traurigen Zeiten einer Pandemie kann das Reden über Aussichtslosigkeit und Untergang nur sinnbildlich gemeint sein.
Ja, es wirkte in den vergangenen Monaten so, als wollte alles aus den Fugen geraten, als scheiterten Staaten an ihren Aufgaben, als wurde das Leben auf Erden vielerorts unerträglich.
Dass wir in finsteren Zeiten leben, ist ein vorherrschendes Gefühl…
Ja, es gibt diese trüben Tage, an denen man fast ersticken möchte am pandemischen elend und am Leid von Flüchtlingen, an Krieg, Vertreibung, Terrorakten und Amokläufen, am Horror der Unterdrückung in Hongkong, Minsk und Myanmar, auch der Furcht vor dem Klimawandel, an den apokalyptischen Bildern von Bränden und Fluten, Dürren und Stürmen, die das World Wide Web im Sekundentakt zum gigantischen, überwältigenden Mosaik unserer Zeit legt.
Zu sehen ist aber nur ein seltsam verzerrtes Dasein, eine dunkle Karikatur dessen, was ist.
Denn die Welt geht ja nicht unter…
Die Hoffnung stimmt zuletzt!““

So, liebe Gemeinde, fängt er an, der Leit-Artikel der SPIEGEL-Ausgabe zum Osterfest-Wochenende.
Als ich den Artikel gestern gelesen habe, musste ich mir erst mal die Augen reiben:
Alle Jahre sonst arbeiten sich die SPIEGEL- Journa-list*innen daran ab, wie fragwürdig, wie unglaub-würdig, ja wie dumm der christliche Glaube an die Auferstehung doch sei und dass kein vernünftiger Mensch daran noch festhalten könne.
Aber in diesem Jahr titelt die Redaktion: „Die Hoffnung stimmt zuletzt!“???
Sind die auf einmal alle fromm geworden - frei nach dem Motto: „Not lehrt beten!“?


„Die Hoffnung stimmt zuletzt!“ - auf dieses Thema stürzt sich auch der Journalist Ulrich Fichtner in einem siebenseitigen Artikel.
Seine Ausgangsthese lautet:
„Die Welt geht nicht unter, im Gegenteil: Es ging der Menschheit auf’s Ganze gesehen noch nie besser.“
Und dann führt er seine Argumente auf:
+ Die Armut wird weniger: Zählten in den Achtzigerjahren noch 40 aller Menschen weltweit zu den extrem Armen, so sind es heute nur noch 9%.
+ Das Ozonloch - jahrelang der Inbegriff des nahenden Weltuntergangs - schließt sich wieder, wenn auch langsam.
+ Die weltweite Alphabetisierung schreitet immer mehr fort: Lernten vor 200 Jahren nur 12% aller Menschen schreiben und lesen, so sind es heute fast 90%.
+ Afrika, dieses immerwährende Armenhaus, holt wirtschaftlich auf: Heute werden in Nigeria mehr Filme gedreht als in Hollywood, und in Ruanda sind Plastiktüten schon seit 10 Jahren aus ökologischen Gründen verboten.
+ Und in dieser Pandemie-Zeit ganz wichtig: Die Liste der Plagen, gegen die es inzwischen Impfstoffe gibt, reicht von Diphterie über Masern, Röteln, Keuchhusten, Wundstarrkrampf, Kinderlähmung und und und bis zu COVID 19; und selbst in der Krebs-forschung gibt es inzwischen gute Gründe zu hoffen.

Gut so, wunderbar - ich vermute, liebe Gemeinde, da sind wir uns alle einig; und es ist richtig und wichtig, sich das auch mal vor Augen führen zu lassen und nicht nur auf all‘ die Schwarzmalereien zu starren, die uns tagtäglich vorgeführt werden.
Gut so, wunderbar!

Aber ich gestehe, dass ich doch noch mehr will - weil ich noch mehr brauche:
Als Mensch will ich wissen, was denn danach kommt - nach diesem Leben, nach meinem Tod, nach dieser Welt, auf der ich - trotz allem - doch so gern lebe und auch noch möglichst lange leben möchte!
Als Christin vertraue ich darauf, dass Gott nicht allein Jesus Christus aus dem Tod herausgerufen und mit neuem Leben beschenkt hat, sondern dass er das auch für mich und mit mir tut.
Genau das feiern wir ja heute…

Jetzt kommt ein „Artikel“, eine Abhandlung, ins Spiel, die nicht erst seit gestern im SPIEGEL zu finden ist, sondern seit fast 2000 Jahren schon in der wirklichen Bibel steht.
Der Apostel Paulus hat sie geschrieben und wir können seine Gedanken im 1. Korintherbrief, Kapitel 15 (12ff in Auswahl) noch immer lesen:

(Predigttext lesen)

„Hoffen wir allein in diesem Leben auf Christus, so sind wir die elendsten unter den Menschen“, schreibt der Apostel - und er begründet das auch:
Wenn wir nicht darauf vertrauen, dass Jesus Christus von den Toten auferweckt worden ist, dann fehlt unserem Glauben daran, dass mit dem Tod nicht alles aus ist, sondern etwas Neues beginnt, jede Grund-lage.
Ja, auch ohne den Glauben an die Auferstehung könnten wir dem Vorbild des irdischen Jesus folgen und ein menschenfreundliches Leben zu führen versuchen - und das ist ja schon viel.
Aber ethische Grundsätze, die das menschliche Zu-sammenleben positiv beeinflussen, könnten wir genauso gut auch bei Geistesgrößen wie Platon, Immanuel Kant oder Mahatma Ghandi finden.
Dafür allein braucht’s den christlichen Glauben nicht.

Die Auferstehung ist es, die den Unterschied macht, der alles entscheidet:
Jesus ist für uns Christ*innen eben nicht nur ein großer Menschenfreund, ein weiser Lehrer und ein beeindruckendes Vorbild; das ist er auch.
Aber vor allem anderen ist Jesus der erste, den Gott aus dem Tod herausgerufen und mit neuem Leben beschenkt hat; und nach Gottes Willen wird er nicht der einzige bleiben.
Jesus ist der Erste, für den Gott die Tür zum ewigen Leben aufgemacht hat - und durch ihn steht sie auch für uns offen!
Das ist die Quintessenz, das ist der Kern unseres christlichen Glaubens - und ohne diesen Kern ist unser Glaube nur eine leere Hülle, die spätestens dann zusammenfällt, wenn’s für uns an’s Sterben geht…
Aber die Hülle ist nicht genug!
Als Mensch brauche ich mehr - und als Christin habe ich mehr: eine Hoffnung, die größer ist als ich selbst und die tiefer geht und weiter trägt als alles, was ich aus mir selbst heraus schaffen kann.
Gerade dann, wenn ich an Grenzen stoße, wenn ich spüre, dass da nicht mehr viel Kraft in mir ist, und wenn ich erlebe, dass sogar mein Allerbestes nicht mehr reicht, um das Ruder noch mal `rumzureißen - gerade dann brauche ich sie: die Hoffnung, dass da mehr ist…

Genau das lehrt uns diese seltsame Zeit, in der wir leben, doch: Sie führt uns an Grenzen - gesell-schaftlich, politisch, wirtschaftlich und ganz persönlich; und allein mit dem Appell an die Vernunft und der Aufforderung, Geduld zu haben und durchzuhalten ist es eben nicht getan.
Was soll ich einem Angehörigen denn sagen, der - verpackt wie ein Astronaut - stundenlang am Ster-bebett eines geliebten Menschen ausgeharrt hat - und sich furchtbar ohnmächtig fühlte?
Was soll ich einer Frau und ihrem Sohn sagen, deren Mann und Vater nicht mehr die Kraft hatte, gegen seine tiefe Depression anzukämpfen, weil er den geforderten Abstand zum Freundeskreis, der ihn stärkte und unterstützte, nicht mehr aushalten konnte?
Soll ich sagen: „Ja, das ist schlimm. Aber jetzt geht’s wieder an die Arbeit, damit wir den ganzen Schla-massel hinter uns lassen und uns unser altes Leben zurückerobern können“?
Auch der Gedanke daran, dass es auf der Welt gar nicht so düster aussieht, wie wir manchmal meinen, würde da überhaupt nicht weiterhelfen, eher im Gegenteil:
Was nutzt es zu wissen, dass heute weniger Menschen an Diphterie sterben als vor 100 Jahren - wenn mein Vater oder meine Mutter doch gerade gestorben sind?
Und was nutzt es, die ökologischen Vorteile von Arbeit im Home-Office aufzuzählen, wenn das Gefühl, völlig isoliert zu sein meine Partner dazu gebracht hat, sich das Leben zu nehmen?
Gar nichts nutzt es!
Und selbst wenn die Corona-Pandemie in absehbarer Zeit „eingehegt“ werden kann - was wir alle hoffen:
Für viele Menschen wird es nicht mehr/kann es nicht mehr so sein wie vorher … weil da eine*r fehlt…


Liebe Gemeinde,
ich finde, der Apostel Paulus hat recht, wenn er schreibt:
Hoffen wir allein in diesem Leben auf Christus, so sind wir die elendsten unter den Menschen.“
Aber als Christ*innen tun wir das ja nicht.
Als Christ*innen hoffen wir weiter, wir hoffen auf mehr - für uns selbst und für alle anderen:
Auf die Auferstehung von den Toten hoffen wir - und darauf, dass der Schöpfer, der uns schon dieses Leben hier gegeben hat, aus allen Bruchstücken, die wir dann mitbringen, ein farbenprächtiges Ganzes machen wird.
Jesus Christus ist der Erste, der auferstanden ist; er wird uns nach sich ziehen.

Aber damit diese Hoffnung schon jetzt wirksam werden kann, liebe Gemeinde, damit sie schon jetzt das eigene Leben prägen kann, braucht’s eine bestimmte Lebenseinstellung, eine bestimmte Glaubenshaltung - ich könnte auch sagen: eine Entscheidung.
Ja, ich bin bereit, Gott zu vertrauen.
Ja, ich bin bereit, sein Geschenk anzunehmen.
Ja, ich bin bereit, meine Hoffnung auf den Auferstandenen zu setzen, denn ich bin gewiss:
Diese Hoffnung stimmt zuletzt!“

Amen.
Und der Friede Gottes…


 

D. Weber und Kammerchor im Wechsel: Jesus lebt
(EG 115,1+2+5)

Fürbitten
Allmächtiger Gott -
so groß ist dein Herz für uns, dass du Jesus Christus, deinen Sohn, in diese Welt geschickt hast:
Er hat unser menschliches Leben geteilt.
Er ist unseren menschlichen Tod gestorben.
Auf deinen Ruf hin ist er auferstanden, als Allererster von uns allen; seine Auferstehung zeigt, was du auch mit uns vorhast.
Dafür danken wir Dir!

Gott, wir bitten dich für alle, nach denen der Tod gegriffen hat:
Auf Intensiv-Stationen und in Altenheimen,
in Wohnungen, auf Straßen und anderswo:

Öffne du deine Arme weit und nimm sie freundlich auf bei dir.
Wir rufen zu dir: Schöpfer, erbarme dich!

Gott, wir bitten dich für alle, denen der Tod vor Augen steht – weil sie alt und ihre Kräfte aufgebraucht sind oder weil sie krank sind und ihre Kräfte schwinden spüren:
Sei du da für sie, wie nur du das kannst!
Nimm die Angst vor dem, was da kommt!
Stärke sie in der Gewissheit, dass du es bist, der das allerletzte Wort hat – und hilf ihnen, darauf zu vertrauen, dass dieses Wort heißt: Du sollst leben!

Wir rufen zu dir:

Wir rufen zu dir: Schöpfer, erbarme dich!

Gott, wir bitten dich für alle, die Kranken und Verletzten helfen – für Ärztinnen und Feuerwehrmänner, für Pflegepersonal und Rettungskräfte; und wir bitten dich auch für die, die Sterbenden zur Seite stehen – für Familienangehörige, für Freund*innen, für Hospizhelfer*innen:
Stärke sie, damit sie aushalten, was sie erleben – und tröste sie, wenn sie das Gefühl haben, zu spät gekommen oder ohnmächtig zu sein.
Wir rufen zu dir:

Wir rufen zu dir: Schöpfer, erbarme dich!

Gott, heute früh haben wir auch viel Grund zum Danken:
dafür, dass sich so vieles auf dieser Welt zum Guten entwickelt hat;
dafür, dass es Menschen gibt, die viel Anstrengung auf sich nehmen, um Arzneien und Impfstoffe zu entwickeln;
dafür, dass viele Menschen bereit sind, im Großen und im Kleinen Verantwortung zu übernehmen, damit unsere Gesellschaft nicht zusammenbricht.
Sie alle - und so viele, die uns ganz persönlich am Herzen liegen - legen wir an Dein großes Herz mit dem Gebet, das Jesus uns geschenkt hat:

Vaterunser

 

D. Weber und Kammerchor im Wechsel: Er ist erstanden
(EG 116,1+5+4)

Segen
Gemeinde spricht: Amen.

 

Orgelspiel

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