Evangelische Kirchengemeinde Bauschheim

Seit Sonntag, dem 7. Juni 2020, feiern wir wieder Gottesdienst in unserer Kirche.
Der Gottesdienst beginnt um 9.30 Uhr

Bitte informieren Sie sich unter der Rubrik "Aktuelles"
über die Rahmenbedingungen, unter denen der Gottesdienst
gefeiert werden wird!

Die Predigt zum 18.Sonntag nach Trinitatis (11.Oktober) finden Sie hier:

 

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, der da ist, der da war und der da kommt!

Liebe Gemeinde!

Auswendig lernen – wer macht das denn heute noch?
Alle – na ja: fast alle - haben wir doch unser kleines Helferlein zur Hand, das sofort die Texte präsentiert, die wir gerade brauchen.
Ein Wisch genügt - und alles ist da; und noch ein Wisch – und alles ist wieder weg.
Gut, wenn’s nur um ein paar einfache Informationen geht.
Aber schlecht, wenn’s um etwas geht, das mir am Herzen liegt.
Alles, was mir wirklich wichtig ist, das sollte ich besser auch im Herzen tragen:
Auswendig – „by heart“, wie’s auf Englisch so schön heißt.
Auch der alte Mose wusste das – und er sagt dazu im 5. Buch Mose, Kapitel 30, das Folgende:

5.Mose 30,11-14

Gott, öffne Du uns das Herz für Dein Wort.

„Das Gebot, das ich dir heute gebiete“ – darum geht’s dem alten Mose:
Er weiß, dass er sterben wird – und er weiß, dass die Frauen und die Männer, die Jugendlichen und die Kinder dann fragen werden:
„Wie soll’s jetzt weitergehen?
Wie soll’s jetzt weitergehen - ohne den, der immer wusste, wo’s für uns langgeht?“
Also fasst Mose noch einmal zusammen, was er viele Jahre vorher schon einmal in Gottes Auftrag an sein Volk weitergegeben hat:
Die Gebote, die die zu gegenseitiger Achtung und Fürsorge auffordern.
Die Gottesregeln, die ein gutes Leben für alle Menschen ermöglichen: für Alte und für Junge, für Starke und für Schwache, für Arme genauso wie für Reiche.

Zusammenleben, liebe Gemeinde, Zusammenleben braucht Regeln, die für alle verbindlich sind – und damit sie das sind, müssen sie im Fall des Falles auch auch durchsetzbar sein, sonst pfeifen manche drauf.
Aber Regeln müssen auch vernünftig – also gut begründet und nachvollziehbar und verhältnismäßig - sein, damit alle oder zumindest möglichst viele sie verstehen und akzeptieren können.

Die Zehn Gebote, die Mose im Auftrag Gottes veröffentlichte, erfüllen diese Bedingungen.
Auch jemand, der nicht an Gott glaubt, kann die allermeisten davon nachvollziehen:
Du sollst Vater und Mutter ehren – für sie sorgen, wie’s wörtlich heißt; eine Art biblischer Generationenvertrag, überlebenswichtig in einer Zeit, in der es keine Renten- und auch keine Pflegever-sicherung gab.
Du sollst nicht töten – erklärt sich von selbst.
Du sollst nicht ehebrechen – also nicht mutwillig den Schutzraum einer Familie zerstören.
Du sollt nicht stehlen – erklärt sich auch von selbst.
Du sollst nicht falsch Zeugnis reden, also nicht das Ansehen, den Ruf eines Menschen zerstören, denn das könnte sein Auskommen und seine Zukunft vernichten.
Und schließlich: Du sollst nicht begehren, was einem Anderen gehört – wieviel Neid und Hass anrichten können, dass können sich vermutlich alle vorstellen.
Alles Regeln, die gut begründet und nachvollziehbar und verhältnismäßig sind, vernünftig also und deshalb für die allermeisten Menschen zu verstehen und zu akzeptieren.

Aber manchmal erfüllen Regeln alle diese Bedingun-gen und trotzdem müssen wir Menschen erst lernen, dass sie sinnvoll sind.
Dass die Herdplatte heiß ist, das habe ich als Kind erst begriffen, als ich mir die Finger verbrannt hatte: eine schmerzhafte, aber nachhaltige Erfahrung.
Die Mama konnte ja viel erzählen – ich musste es ausprobieren…
Vermutlich fallen allen hier persönliche Beispiele dafür ein.

Liebe Gemeinde, eine Gesellschaft ganz ohne Regeln, die für alle verbindlich sind, die wird auf die Dauer nicht funktionieren.
Anarchie – Gesetzlosigkeit - ist keine Alternative, selbst wenn’s auf den ersten Blick so scheinen mag: Alle sind gleich, alle dürfen alles, allen gehört alles, und für niemanden gibt’s Grenzen…

Gerade solche Gemeinschaftsformen, die auf die Gleich-Wertigkeit, Gleich-Rangigkeit und Gleich-Gültigkeit aller pochen, haben entweder besonders großen Rede- und Klärungsbedarf - oder aber sie brauchen besonders ausgefeilte Regeln.
Die Ev. Kirche in Hessen und Nassau, zu der wir als Gemeinde ja gehören, ist dafür ein gutes Beispiel:
Auf einen leitenden Bischof haben die Gründungsväter – Gründungsmütter gab’s keine – 1947 bewusst verzichtet; sie hatten aus der „Gleichschaltung“ durch die Nazis gelernt!
Die Nazis hatten 1933 ja alle Lebensbereiche – auch die protestantischen Kirchen – auf ihre menschen-verachtende „Linie“ eingeschworen.
Das sollte nicht noch einmal passieren können – und deshalb nahmen diese „Kirchenväter“ in die Gründungsurkunde folgende Erklärung auf:
„Die verschiedenen Ämter in der Kirche begründen keine Herrschaft der einen über die anderen, sondern (sie begründen) die Ausübung des Dienstes, der der ganzen Gemeinde (von Jesus Christus) anvertraut ist. 
Aus dem Grund haben wir einen Kirchenpräsidenten, der von Abgeordneten aus den Gemeinden gewählt wird und dessen Amtszeit von vornherein begrenzt ist.
Und deshalb wird in den unterschiedlichen kirchlichen Gremien manchmal lange diskutiert, bis eine Entscheidung gefällt werden kann.
Auch wenn das manchmal ärgerlich ist und oft viel Geduld braucht – es hat seinen Sinn:
Alle - oder wenigstens möglichst viele – sollen die Entscheidungen verstehen und mittragen können!

Gar nicht so einfach – und manchmal eine Gratwanderung.
Denn es gibt ja Unterschiede zwischen Menschen, es gibt Unterschiede in den Aufgaben, in den Begabun-gen, auch im Ausmaß der Verantwortlichkeit für Andere.
Gleichmacherei wird dem nicht gerecht.
Aber wir halten daran fest, dass alle das gleiche Recht haben, in ihren Bedürfnissen und mit ihrer Würde geachtet und wahrgenommen zu werden.

Auch im außer-kirchlichen, ganz privaten Leben ist das so:
Eltern z.B. müssen an bestimmten Punkten für ihre Kinder entscheiden und können nicht alles mit ihnen diskutieren.
Und trotzdem sollten sie sich vor Willkür hüten, denn die fällt ihnen sonst eines Tages wieder auf die Füße.
Spätestens dann, wenn sie selbst aufgrund ihres fortgeschrittenen Alters nicht mehr eigenbestimmt handeln können sollten.

Ganz heikel wird die Sache in Zeiten wie diesen:
Wenn Entscheidungen getroffen werden müssen, die in die Grundrechte von Menschen eingreifen – und wenn diese Entscheidungen schnell getroffen werden müssen, dann wird’s noch heikler:
Was muss jetzt getan werden, um Leben zu retten?
Und steht das Retten von Leben immer und überall an erster Stelle?
Oder gibt’s da noch andere Kriterien, die das Handeln bestimmen sollten?
Als unser Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble im April äußerte, dass seiner Auffassung nach nicht alles hinter dem Schutz des Lebens zurückzutreten habe, da erntete er viel moralische Entrüstung – dabei wollte er schlicht darauf aufmerksam machen, dass wir uns einer Güterabwägung auf Dauer nicht entziehen können.
Als 78jähriger Hochrisiko-Patient weiß er sicher, wie ernst die Situation ist.
Als Politiker weiß er aber auch, dass wir ein funktionierendes Wirtschaftssystem brauchen, um unser Gesundheitssystem funktionsfähig zu halten.
Und als Großvater weiß er, dass die Kinder und Jugendlichen zur Schule gehen müssen, um eine Zukunft zu haben; alles geht nicht digital, gerade für ärmere Familien nicht.
Alles andere als einfach, jetzt Entscheidungen zu treffen!
Und ganz gewiss werden da auch Fehler gemacht – wie könnte es anders sein.
Aber die Angst vor Fehlern darf nicht dazu führen, gar keine Entscheidungen zu treffen – dafür steht zu viel auf dem Spiel!

Liebe Gemeinde,
eine Gemeinschaft braucht Regeln, damit sie funktionieren kann – das gilt für eine christliche Gemeinde genauso wie für unsere weltliche Gesellschaft.
Aber diese Regeln müssen erklärt werden, damit sie für möglichst viele nachvollziehbar sind – und sie müssen dann auch durchgesetzt werden, nur so bleibt die Gemeinschaft handlungsfähig.

Auch wenn das Ganze nicht einfach ist, und selbst, wenn ich das eine oder andere für fragwürdig halte, ich bin dankbar dafür, in einer Gesellschaft zu leben, in der um Einsichten gerungen wird, in der Entscheidungen überprüfbar sind und Rechte zur Not auch eingefordert und eingeklagt werden können - und in der eine große Mehrheit von Menschen sich ernst genommen und gut aufgehoben fühlen!

Als Christ*innen sind wir ja nicht aus Prinzip Oppositionelle, die sich dem staatlichen Rechtsrahmen entziehen und sich deshalb nur unmittelbar Gott verpflichtet fühlen ( wie einige Sekten…).
Aber wir messen alles Recht auch am Willen Gottes, der gut und heilsam ist, nah am Leben, am Denken und am Handeln.
Und für uns ist es nicht egal, dass die Zehn Gebote beginnen mit den Worten:
„Ich bin der Herr, dein Gott, der dich aus Ägyptenland geführt hat: Du sollst keine anderen Götter neben mir haben!“
Gott hat uns ein freies Leben geschenkt – und er ist der, vor dem wir dieses Leben verantworten!Die Väter – und Mütter! – des Grundgesetzes sahen ihre Arbeit auch in diesem Horizont; und deshalb stellten sie folgende Worte an den Anfang der Verfassung unseres Staates:
Im Bewusstsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen, von dem Willen beseelt, als gleichberechtigtes Glied in einem vereinten Europa dem Frieden der Welt zu dienen, hat sich das Deutsche Volk kraft seiner verfassungsgebenden Gewalt dieses Grundgesetzt gegeben.
 
Liebe Gemeinde,
in Verantwortung vor Gott und den Menschen ist unsere Rechtsordnung entstanden.
Ein guter Grundsatz: Gott und den Menschen verantwortlich.
Auch wenn wir um manches ringen, über manches streiten sogar – das soll und das muss uns im Gedächtnis bleiben…und im Herzen!

Amen.
Und der Friede Gottes…

Erneure mich, o ewigs Licht (EG 390,1-3)


 


 

Ab sofort wird die Predigt des jeweils vergangenen Sonntags auf Wunsch in den Briefkasten geworfen.

Bitte melden Sie sich hierfür im evangelischen Gemeindebüro.

 


 

Die Ev. Kirche in Hessen und Nassau lädt ein zum Internet-Gottesdienst:

 

LIVING-ROOM

Gottesdienst am Freitag

„Wir glauben, dass es in diesen ungewöhnlichen Zeiten wichtig ist, dass wir auch in der Isolation Nähe erleben und ermutigt werden,“ so der Initiator, Dr. Fabian Vogt, der Referent für Kommunikationsprojekte aus dem Stabsbereich Öffentlichkeitsarbeit der EKHN. Tröstende und ermutigende Impulse wird die Online-Gottesdienst-Reihe „Living Room!“ (www.ekhn.de/Livingroom) geben, die er und seine Frau Miriam Küllmer-Vogt mit einem Team auf die Beine gestellt haben. Start ist am Freitag, 27. März 2020, um 19 Uhr. Pfarrer Vogt erklärt, wie er und sein Team den Menschen beistehen wollen: „Bei unseren  Living Room!-Gottesdiensten  bitten wir zum Beispiel Persönlichkeiten aus der EKHN davon zu erzählen, welche biblischen Texte und Geschichten Ihnen in schweren Zeiten Mut machen.“ 

So lässt sich an den „Living Room“-Gottesdiensten teilnehmen:

  • Wann? Freitags live um 19 Uhr
  • Von wo? Aus der Evangelischen Akademie Frankfurt
  • Wie lässt sich teilnehmen? Über den Youtube-Kanal evTV veröffentlicht.
  • Wenn eine Gottesdienst Sendung verpasst wurde, kann sie direkt auf dieser Seite (www.ekhn.de/Livingroom) sowie im Youtube-Kanal evTV aufgerufen werden. 




 

 

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