Evangelische Kirchengemeinde Bauschheim

Gottesdienste im Mai 2022

 

Sonntag, 1. Mai 2022, 9.30 Uhr
Gottesdienst mit Abendmahl
(Pfrn. Schneider-Oelkers)

Sonntag, 8. Mai 2022, 9.30 Uhr
Gottesdienst mit Taufen
(Pfrn. Schneider-Oelkers)

Sonntag, 15. Mai 2022
9.30 Uhr - Vorstellungsgottesdienst der Konfirmand*innen
(Dieser Gottesdienst wird von den Jugendlichen gestaltet)

15.00 Uhr - Gottesdienst mit den Landfrauen
unter Mitwirkung der Gitarrengruppe
(Pfrn. Schneider-Oelkers)


Samstag, 21. Mai, 17.00 Uhr
Abendmahlsgottesdienst der Konfirmand*innen
(Pfrn. Schneider-Oelkers)

(nicht öffentlich!)


Sonntag, 22. Mai 2022
9.30 Uhr - Konfirmation I
11.30 Uhr - Konfirmation II
(Pfrn. Schneider-Oelkers und Vikarin Haas)
(nicht öffentlich!)

Christi Himmelfahrt, 26. Mai, 10.00 Uhr
Mainspitzweiter Gottesdienst
(Pfrn. Schneider-Oelkers und Vikarin Haas)

Sonntag, 29. Mai 2022
9.30 Uhr - Konfirmation III
(Pfrn. Schneider-Oelkers und Vikarin Haas)
(nicht öffentlich!)

17.00 Uhr - Mainspitzweiter Gottesdienst in Bischofsheim
(Pfrn. Meckbach)

 

Telefonische Anmeldungen sind nur für Gottesdienste mit Taufen erforderlich!
(Tel. 06142-72289)

Der KV bittet sehr herzlich darum, auch weiterhin eine Maske während des Gottesdienstes zu tragen.


 

Gottesdienst zum Ostersonntag (17. April 2022)

Predigt von Pfarrerin Ellen Schneider-Oelkers

 

Gnade sei mit euch und Friede von Gott,
der da ist der da war und der da kommt!

Predigttext: Die drei Frauen am Grab Jesu (Mk 16,1-8)

Liebe Gemeinde,

die Freude über die Auferstehung ist ihm offenbar im Hals stecken geblieben, dem Evangelisten Markus:
Und sie gingen hinaus und flohen von dem Grab;
denn Zittern und Entsetzen hatte sie ergriffen.
Und sie sagten niemand etwas; denn sie fürchteten sich.
Mit diesen Worten schließt er seine Geschichte von Jesus, dem Gekreuzigten und Auferstandenen.
Alles, was dann noch geschrieben steht im ältesten der 4 Evangelien, wurde später wohl erst angefügt.  

Markus schreibt seine Geschichte Jesu um das Jahr 70  - zu einer Zeit, in der - wieder einmal - ein Krieg in seiner Heimat tobte:
Der römische Kaiser Vespasian war mit starken Truppen über das jüdische Land hergefallen und hatte die Stadt Jerusalem dem Erdboden gleichgemacht.
Was für einen Sinn sollte da die Rede von der Auferstehung eines Einzelnen haben - angesichts der unzähligen Toten, die dieser Wahnsinn schon gekostet hatte?
Das Halleluja will Markus nicht so leicht über die Lippen kommen - für ihn ist es offenbar unmöglich, aus vollem Herzen zu jubeln wie der Apostel Paulus es tut, wenn er schreibt: „Tod, wo ist dein Sieg?
Wo ist Dein Stachel? Gott sei Dank aber, der uns den Sieg gibt!“

Liebe Gemeinde,
auch mir bleibt heute früh die Freude über die Auferstehung im Hals stecken - und der einen oder dem anderen mag es genauso gehen:
Am 53. Tag des Überfalls auf die Ukraine steht die russische Armee kurz vor einer weiteren Offensive, die erneut eine blutige Spur ziehen und viele Menschen das Leben kosten wird …
Und wieder werden verzweifelte Trauernde an offenen Gräbern stehen und das alles nicht fassen können…
Wer macht diesem Wahnsinn ein Ende?...

Auch die 3 Frauen, die zum Grab Jesu gekommen sind, können das Ganze nicht fassen:
- dass ihr Freund und Lehrer gefangen genommen wurde;
- wie er gestorben ist;
- und dass sie ihn jetzt nicht einmal mehr in seinem Grab finden können …
Auch vor den 3 Frauen tut sich jene schwindel-erregende Leere auf, wie sie Menschen zu allen Zeiten befällt, wenn Gewalt und Krieg ihnen das Allerliebste genommen haben...

Und sie gingen hinaus und flohen von dem Grab;
denn Zittern und Entsetzen hatte sie ergriffen,
schreibt Markus.
So fasst er diese Leere, die die Frauen sprachlos macht, in ein paar wenige Worte…

Und so findet seine Geschichte Jesu auf den ersten Blick ein seltsames, ein geradezu verstörendes Ende. Die Frauen fliehen, schweigend und zutiefst verzweifelt.
Das Grab ist leer.
„Er ist nicht hier!“

Später erst sind an diesen erschreckenden Schluss noch ein paar Sätze angefügt worden - zusammengeklaubt, zusammengeborgt aus den drei anderen Evangelien:
Aus dem Johannesevangelium das Wiedersehen zwischen dem Auferstandenen und Maria Magdalena.
Aus dem Lukasevangelium das Aufeinandertreffen mit den 2 Jüngern auf dem Rückweg in‘s Heimatdorf, in dem ihr altes Leben wartet.
Und aus dem Matthäusevangelium die Aufforderung,  die Auferstehungsbotschaft in die Welt zu tragen und zu taufen.
Vielleicht konnten die ersten Zuhörer und Leserinnen das Schweigen einfach nicht aushalten.
Vielleicht war ihre Sehnsucht nach einem guten Ausgang der Geschichte übergroß.
Und wer könnte das diesen frühen Christ*innen verdenken - heute, wo uns die Freude über die Auferstehung im Hals stecken bleibt und es auch uns die Sprache verschlägt, weil der Wahnsinn immer weiter geht?

Liebe Gemeinde,
auch wenn es nur ein Zufall sein sollte - es fügt sich, dass das Oster-Evangelium in diesem Jahr ausgerechnet der Schluss des Markusevangeliums ist:
Wenn wir diese Worte in uns aufnehmen und in uns wirken lassen, dann stellen wir uns damit nämlich an die Seite all jener, deren Leben, deren Welt gerade wie ein Kartenhaus zusammenbricht, und die jetzt wieder ohne Worte sind - wie so viele Menschen vor ihnen es schon waren und - so ist zu fürchten - auch viele Menschen nach ihnen es sein werden...
Und so gehen wir heute Morgen gleichsam mit ihnen und den drei Frauen ans Grab um zu begreifen, was einfach nicht zu begreifen ist und um Trost zu finden in aller Untröstlichkeit.

Und sie gingen hinaus und flohen von dem Grab;
denn Zittern und Entsetzen hatte sie ergriffen

Liebe Gemeinde,
den Augenzeugen, den Frauen und Männern, die damals dabei waren, hat es die Sprache ebenso verschlagen wie den Menschen im zerstörten Jerusalem im Jahr 70 unter Kaiser Vespasian, wie 2015 im zerbombten Aleppo und jetzt im umkämpften Mariupol 2022.
Markus schreibt seine Geschichte Jesu für alle Menschen, denen der Terror in den Knochen steckt und die nichts mehr in den Armen halten als Leere.
Und dass das Markusevangelium mit diesem ent-setzten Schweigen endet, ist das pure Gefühl des Zusammenhalts,
der aushält, was nicht auszuhalten ist,
der dabeibleibt und nicht wegschaut,
der Zusammenhalt, dessen Worte aus dem Schweigen kommen und die so dafür einstehen, dass der Tod doch nicht das letzte Wort behält…  

Denn das Grab ist ja nicht leer!
In den anderen Evangelien sind es Engel, die dort Wache halten.
Himmlische Boten.
Aber bei Markus ist es ein junger Mann, ein Jugend-licher genaugenommen  - einer von denen, die zu allen Zeiten auf den Schlachtfeldern dieser Welt schon starben und auch jetzt wieder sterben.
Ein Sohn unter Söhnen und Töchtern von Eltern, die vor Sorge um ihre Kinder nicht ein noch aus wissen…
Ein Kind unter Kindern, die auch im Bombenhagel, im Luftschutzkeller und in den Metrostationen neu geboren werden - als Zeichen, dass auch mitten im Tod immer und immer wieder das Leben beginnt - solange Menschen auf dieser Erde leben.

„Geht hin und sagt seinen Jüngern, dass er vor euch hingehen wird nach Galiläa. Dort werdet ihr ihn sehen, wie er gesagt hat,“ fordert dieser Junge die trauernden Frauen auf.
Und dass sie dann vor dem Grab fliehen, heißt nicht, dass sie der Aufforderung des Jungen nicht folgen.
Denn die Sandalen zu schnüren und nach Galiläa zu laufen, darum geht es in diesem Augenblick ja gar nicht.
Die Geschichte Jesu, das Evangelium noch einmal auf der ersten Seite aufzuschlagen und es jetzt mit anderen Augen - mit erleuchteten, mit wissenden Augen - zu lesen, darum geht’s - und das sollen die 3 Frauen den Jüngern mitteilen.

Die Geschichte Jesu, so wie Markus sie erzählt, die fängt in Galiläa an - da, wo der römische Kaiser seinen Vernichtungsfeldzug begonnen hat.
Genau dort erschallt die Stimme Johannes‘ des Täufers, des Rufers in der Wüste.
Genau dort tritt Jesus das erste Mal mit seiner Friedensbotschaft ins Licht der Öffentlichkeit.
Genau dort verknüpft der Evangelist den Schrecken des Krieges mit dem Leben und Sterben Jesu.
An all jenen Orten, wo die römische Armee nur eine große Leere hinterlassen hat, erzählt Markus von den Wundertaten und von der Liebe, die dort durch Jesus, den Christus, den Messias, den Retter neu zum Leben erwacht - eine Liebe, die selbst den Tod am Kreuz auf sich nimmt, damit klar und deutlich wird, dass Gott selbst im Augenblick der größten Gottverlassenheit doch da ist…

Liebe Gemeinde,
der Evangelist Markus kennt keinen anderen und keinen größeren Trost als diesen!
Das ist seine Therapie:
sich immer und immer wieder das Leben und Sterben Jesu vor Augen zu halten,
sich gegenseitig davon zu erzählen und das eigene Leben und Sterben darin zu entdecken -
und dann diesen einen, alles entscheidenden, unglaublichen und dennoch wahren Satz zu hören und auch für sich selbst anzunehmen:
„Er ist auferstanden - er ist nicht hier!“

Liebe Gemeinde,
als die Journalistin Shila Bejaht Künstler*innen zum Ukraine-Krieg befragen wollte, war oft die erste Antwort: „Ich bin so sprachlos…!“
Vereint in ihrer Sprachlosigkeit ergreifen nun Künst-lerinnen und Musiker aus der ganzen Welt trotzdem das Wort - unter dem Motto „notspeechless“ - „nicht sprachlos“ - teilen sie ihre Gedanken per Internet mit Menschen auf der ganzen Welt.
Sie suchen nach den richtigen Worten - und die zu finden fällt schwer.
Aber sie schweigen nicht.
Wie Markus werden sie zu Zeuginnen und Zeugen. Sie nennen das Böse böse und den Krieg Krieg -
und sie sprechen von ihrer Hoffnung wider alle Hoffnung, vom Frieden, den der Krieg nicht geben kann.
Und manchmal hilft ihnen dabei nur noch die Musik: Schweigend sitzt z.B. der Pianist Malakoff Kovalski am Klavier.
Aber seine Finger finden tastend Töne -  Klänge, die immer wieder abbrechen und sich dann doch zu einer Melodie zusammenfügen und die Hoffnung wider alles Hoffen hörbar werden lassen…

Liebe Gemeinde,
stehen auch wir mit diesen Künstler*innen zusammen auf, reden mit ihnen, weinen mit ihnen und schweigen mit ihnen.
Damit die Opfer nicht vergessen werden und die Hoffnung auf Frieden nicht abbricht.
Stehen auch wir mit ihnen auf und tun, was in unserer Macht steht, um jenen beizustehen, die zu Aber-tausenden in sprachlosem Entsetzen fliehen. 
Stehen auch wir auf und beten um Frieden – zu jenem, der als Schöpfer von Himmel und Erde immer wieder inmitten des Bösen und sogar im Tod noch Raum zum Leben, Raum für neues Leben schafft.

Und wo uns die Hoffnungskraft ausgeht, da hören wir den Rat des Jungen im leeren Grab am Ostermorgen: „Geht nach Galiläa. Dort werdet ihr ihn wiedersehen!“

Auch wir können uns immer wieder aufs Neue hinein erzählen in dieses Leben, das Jesus Christus heißt und von Gott kommt:
Immer wieder können wir  unsere Geschichte mit seiner Geschichte verknüpfen und verweben und verknoten - solange, bis auch uns die Augen aufgehen und wir mit brennendem Herzen erkennen, dass der Auferstandene an unserer Seite ist.
Dann bleibt uns die Freude über die Auferstehung nicht mehr im Hals stecken!
Dann können wir einstimmen ins österliche Halleluja und glauben:
Er ist nicht mehr hier.
Er lebt - und auch wir sollen leben.
Amen.

Und der Friede Gottes…

Lied: Jesus lebt (EG 115, 1+2+5)

 

Herzlichen Dank an Pfarrerin Henriette Crüwell, der diese Predigt viel verdankt!

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